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Daumen drauf!
Nirgendwo im Spielebereich manifestiert sich zur Zeit so viel Kreativität und Originalität wie bei den Kartenspielen. Wenn man gerade gedacht hat, nun ist aber wirklich alles ausgereizt, was mit diesem Spielmaterial möglich und denkbar ist, dann kommt ein neues Spiel um die Ecke, das einen geradezu vom Hocker reißt.
Wer also in nächster Zeit in seiner Stammkneipe Leute im Kreis sitzen sieht, die sich immer wieder Karten entgegenstrecken, den Daumen sorgfältig auf eine Kartenecke gedrückt, und sich gegenseitig tief in die Augen schauen, sollte sich nicht wundern. Keine Angst, das sind nur Mitarbeiter des Deutschen Spiele-Archivs. Die sind nur ganz normal ausgeflippt vor Begeisterung über ein neues Kartenspiel, das einer ehemaligen Kollegen gemeinsam mit einem Spiele-Verleger erfunden hat. Sie spielen "Daumen drauf!" Zwei bis sieben Spieler können hier mitspielen. So um die zwölf Jahre alt müßten sie schon sein, denn hier wird alsbald geblufft, daß sich die Balken biegen. Die Karten zeigen Schlangen in Gelb, Grün und Schwarz mit den Werten von Eins bis Neun. Das Gemeine ist, daß jede Karte zweimal vorhanden ist: einmal als "liebe" Schlange ohne Giftzahn und einmal als giftige Schlange mit entsprechendem roten Beißwerkzeug. Alle Schlangenkarten werden gemischt, jeder Spieler erhält 5 Karten auf die Hand, der Rest kommt als verdeckter Talon in Tischmitte. Im Spiel versucht jeder Spieler, möglichst nur ungiftige Karten zu stechen, denn die bringen am Ende jeweils einen Pluspunkt, egal welchen Kartenwert sie tragen. Giftige Karten dagegen zählen - ebenfalls höchst demokratisch ohne Ansehen ihres Kartenwertes - einen Minuspunkt. Für das nun anhebende Spiel geben die Autoren fürsorglich ein "Rezept" auf den Weg: "DAUMEN DRAUF! verlangt eine feine Prise Intuition und Menschenkenntnis, eine Portion Mut vermischt mit Vorsicht, gute 100 Gramm Taktik, Bluff nach Geschmack und zum Garnieren ein wenig Spielwitz - so ist es leicht verträglich und gesund!" Den abschließenden Tip, daß man sich nicht über die vielen Giftzähne ärgern soll, begreift man umgehend, wenn man die erste Runde gespielt hat. Der erste Spieler wählt also eine Karte aus und streckt sie, den Daumen sorgfältig auf dem Schlangenkopf, in die Mitte des Tisches. Zahl und Farbe der Schlange ist zu sehen. Ist sie aber giftig? Oder vielleicht doch ungiftig? Der nächste Spieler muß sich entscheiden: er kann eine "höhere" Karte zeigen, er kann aber auch passen. Höher ist stets eine höhere Zahl oder eine Karte mit einer anderen Farbe ohne Ansehen ihres Zahlenwertes. Wer gepaßt hat, kann durchaus wieder einsteigen, wenn er in der Runde erneut wieder dran ist. Denn es wird solange weitergespielt, bis alle in der Runde passen. Der Spieler, der als letzter eine Karte angeboten hat, erhält alle ausgespielten Karten und kann sich nun seine "Bescherung" anschauen. "Schmeichelnd kitzelt die Schlange, wo sie sticht" - diese Warnung Shakespeares sollte jeder beherzigen, der sich auf das Spiel "Daumen drauf!" einläßt. (Bernward Thole)
"Es geht weg wie die warmen Semmeln", das war Johann Rüttingers einziger Kommentar zu seiner Essen-Neuheit "Daumen drauf", für die er zusammen mit dem bislang unbekannten Jens-Peter Schliemann als Autor verantwortlich zeichnet. Jenem Jens-Peter Schliemann, der 1994 das vom Friedhelm Merz Verlag gestiftete Stipendium für Spieleautoren gewonnen hatte und daher auch eine Woche Rüttingers 3 Magier Verlag praktizierte durfte. Und herausgekommen ist dabei eben das Bluff- und Stichspiel "Daumen drauf". Helmut Wresnik "Daumen drauf" von Johann Rüttinger und Jens-Peter Schliemann, 3 Magier Spiele, für 2 - 7 Spieler ab 12 Jahren
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