Der zerstreute Pharao

Gerade hat die große Internationale Spielwarenmesse in Nürnberg ihre Pforten geschlossen, und schon liegen die Spiele des neuen Jahrgangs in den Regalen. Besonders gespannt ist man da natürlich auf die neuen Spiele des Marktleaders mit dem kleinen blauen Dreieck.
Zumindest das erste Spiel, das wir uns vorgenommen haben, zeigt, daß man in Ravensburg noch immer mit angezogener Handbremse den Spielemarkt bedient. "Der zerstreute Pharao" von Gunter Baars ist nett und brav, aber nicht gerade ein Ausbund an Originalität und Kühnheit, was die Spielidee betrifft.

Da jedes Spiel heute nun einmal eine Einkleidung, ein Szenario haben muß, erzählt die Spielregel von einem steinreichen, aber etwas schusseligen Pharao, der in seinem Leben zahlreiche Schätze aus aller Welt gesammelt und in seinen Pyramiden (?) vor den bösen Dieben versteckt hat. Nerkwürdige Schätze sind da zu sehen: ein Kinderwagen, eine Brille, ein Gebiß, ein Kakadu und anders mehr.

Zwölf solcher Schätze sind insgesamt auf kleinen runden Papp-Chips abgebildet. Weitere 36 Chips sind neutral. Alle diese Chips sollen auf den Spielplan verteilt werden. Soweit konnten wir der Spielregel locker folgen. Die anschließende Aufforderung, den Spielplan in die Schachtel zu legen, hat uns allerdings sehr irritiert. Den erwähnten Spielplan konnten wir trotz intensiver Suche nicht finden.

Nach einigem Nachdenken beschlossen wir, daß hier ein ebenfalls zertreuter Redaktions-Pharao etwas durcheinandergebracht hat. Da ganz offensichtlich auf dem Tiefziehteil des unteren Kartons gespielt werden soll, versenkten wir die 48 Chips in die dort angebrachten Aussparungen und stellten die 47 kleinen Pyramiden so auf das Tiefziehteil, daß ein neutrales Feld in der Mitte für den Spielbeginn offen blieb.

Im Spiel geht es darum, die kleinen Pyramiden auf dem Spielfeld so zu verschieben, daß genau der Schatz aufgedeckt wird, der auf der gerade offen liegenden Suchkarte zu sehen ist. Decke ich bei dem Verschieben der kleinen Pyramiden einen neutralen Chip auf, darf ich weiterziehen. Bei einem falschen Schatz versuchte ich, mir die Lage zu merken, und gebe das Spiel an den nächsten Mitspieler ab. Bei dem richtigen Schatz gewinne ich die Karte.

Hier läßt ganz offensichtlich das "ver-rückte Labyrinth" grüßen - mit dem kleinen, durchaus vorteilhaften Unterschied, daß es nicht zu sehen ist, sozusagen under cover wirksam ist. Ein erste Kartenstapel zeigt nur Schätzchen. Danach kommt der zweite dran, in dem Ereigniskarten eingemischt sind. Außerdem wird jetzt bei jedem erfolgreichen Fund die Schachtel gedreht. Beim dritten Haufen wird es noch härter: wer hier an einen falschen Schatz gerät, scheidet aus. Da bewährt sich natürlich das bessere Gedächtnis und kann im Endspurt noch manchen wertvollen Punkt einsammeln.

"DER ZERSTREUTE PHARAO" von Gunter Baars ist ein nettes Familienspiel, mehr aber auch nicht.

(Bernward Thole)


Verborgene Schätze, Abenteuer, Forscher und fremde Kulturen - das ist der Stoff, aus dem sich gute Spiele machen lassen. Dazu noch eine pfiffige Spielidee und fertig ist der Spielehit. DER ZERSTREUTE PHARAO aus dem Traditionsverlag Ravensburger dürfte wohl in diesem Sinne entstanden sein, denn hier stimmt so ziemlich alles, was man sich als Rezensent wünscht. Da wäre erst einmal das zauberhafte Thema, das zwar nicht ganz den historischen Realien entspricht, in einem witzigen Gesellschaftsspiel aber genau richtig ist: es geht darum, in einem Labyrinth aus kleinen Pyramiden die zwölf Schätze des Pharaos zu finden. Diese werden vor jedem Spiel neu verteilt, so daß jedes Spiel anders abläuft. Gespielt wird übrigens direkt in der Spielschachtel - eine ungewöhnliche, aber absolut funktionelle Lösung, denn hier befinden sich 48 Mulden, die von 47 Kunststoffpyramiden bedeckt sind. Ein einzelnes Feld ist also immer frei und nach dem bekannten Prinzip der Verschiebepuzzles kann ein Spieler immer eine Pyramide auf das jeweils freie Feld schieben. Befindet sich in der freigewordenen Mulde einer der Schätze, bedeutet das aber noch keineswegs Forscherglück, denn die Abenteurer suchen jeweils nach einem ganz bestimmten Teil - sei es die Trompete der Nofretete, der pharaonische Kerzenleuchter, der Steincomputer oder ein anderes Stück aus den Hinterlassenschaften des seltsamen Pharaos.

Welcher Schatz gerade aktuell gesucht wird, ist durch Karten vorgegeben. Der erste Spieler, der es im Labyrinth findet ohne dabei über irgendwelche anderen Gegenstände zu stolpern erhält die entsprechende Karte als Belohnung. In drei Spielphasen steigert sich der Schwierigkeitsgrad bis zum Schluß ein einziger Fehltritt bereits mit dem sofortigen Spiel-Aus des jeweiligen Spielers geahndet wird. Und weil selbst gedächnisstarke Spieler in dieser Endphase echte Schwierigkeiten haben dürften, ist das Spiel dann auch schnell vorbei. Gewonnen hat dann der Spieler mit den meisten Schatzkarten. DER ZERSTREUTE PHARAO ist ein tolles Spiel für ein breites Publikum. Kinder ab 8 Jahren können den Erwachsenen hier zeigen, was sie können und weil Kinder bekanntermaßen über sehr gute Gedächtnisleistungen verfügen, haben sie auch hier echte Siegchancen, Erfolgserlebnisse und damit gewiss eine Menge Spaß. Das witzige Thema, ein immer wieder neuer Spielplanaufbau und die gelungene Gestaltung garantieren hier ein langanhaltendes Spielvergnügen für die ganze Familie.

(Andreas Mutschke)


Wie jedes Jahr kommen die ersten neuen Spiele des Jahres von der Firma mit dem blauen Dreieck schon vor der Nürnberger Spielwarenmesse in die Läden. Ab der zweiten Januarwoche kann man sich vor allem auf eine geniale neue Memory-Variante, die unter dem Titel DER ZERSTREUTE PHARAO herausgekommen ist, freuen. Die Ravensburger knüpfen mit diesem Spiel an das Niveau des VERRÜCKTEN Labyrinths an und haben endlich wieder einmal ein phantastisches Spiel für die ganze Familie herausgebracht.
Der Hamburger Gunter Baars zeichnet verantwortlich für die Schatzsuche unter 47 Pyramiden für zwei bis fünf Spieler ab 6 Jahren, laut Regel zwar erst ab 8 Jahren, aber Erstkläßler kommen schon gut klar mit dem Spiel. 48 Suchfelder, von denen 12 mit Schätzen bestückt sind, werden in dem Spiel Pharao mit 47 Plastikpyramiden abgedeckt. Ein Feld bleibt frei, so daß die Pyramiden verschoben werden können. Mit diesem Schiebemechanismus geht es auf Schatzsuche. Für drei Spielrunden gibt es Schatz- und Ereigniskarten. In der ersten Runde wird eine Karte aufgedeckt und der abgebildete Schatz muß durch Verschieben der Pyramiden gesucht werden. Stößt man bei diesem Suchvorgang auf einen anderen Schatz, ist der nächste Spieler an der Reihe, bis der Schatz der Suchkarte gefunden ist. Auf diese Weise bahnen sich die Spieler den Weg durch die Pyramiden-Landschaft und lernen die Lage der Schätze kennen. Der glückliche Finder erhält die Suchkarte, die Auskunft über den Wert des Schatzes gibt. In der zweiten Runde kommen Ereigniskarten ins Spiel, außerdem wird nach jeder erfolgreichen Schatzsuche der Pyramidenplan um 90 Grad gedreht. Da heißt es dann Übersicht bewahren und umdenken. Wer in der dritten Runde auf einen falschen Schatz stößt, ist sofort aus dem Spiel ausgeschieden. Das Spiel endet, wenn alle ausgeschieden sind oder eine Karte aufgedeckt wird, die das Spiel-Ende anzeigt. Der Spieler mit den wertvollsten Schätzen gewinnt das Spiel.
Alle, die dachten, die Memory-Idee sei ausgereizt, werden mit dieser Ravensburger-Neuheit eines Besseren belehrt. Diese Schatzsuche macht süchtig und garantiert bei einer Spieldauer von gut 30 Minuten viele Wiederholungsrunden.

Wieland Herold

"Der zerstreute Pharao" von Günther Baars, Ravensburger, für 2 - 5 Spieler ab 6 Jahren