Union Pacific

Das Remake eines guten Spiels ist an sich schon Grund genug zur Freude. Um so mehr, wenn es aufgrund kleiner Auflage nur wenigen zugänglich gewesen ist. Ist es dann aufgrund intensiver Überarbeitung spieltechnisch sogar noch verbessert worden, sollte es eigentlich kein Halten mehr geben.

Die Rede ist von "Union Pacific" (Amigo). Mußten sich die Spieler beim Vorläufer "Airlines" einem erbarmungslosen Verdrängungswettbewerb in der Luft stellen, so können sie jetzt als Eisenbahnbarone ihr Geschick beim Ausbau der Streckennetze beweisen. Damals wie heute geht es ihnen letztlich jedoch allein darum, sich als Mehrheitsaktionäre möglichst lukrativer Gesellschaften zu etablieren.

Wer sich als Alleinaktionär versucht, wird bald merken, daß er beim Streckenbau mangels Unterstützung nur langsam vorankommt. Interessieren sich dagegen auch andere für die Aktien einer Gesellschaft, kommt diese zwar schnell zur Blüte, setzt aber zugleich ein zähes Ringen um die Mehrheit ein.

Neu hinzugekommen ist die Möglichkeit, Anteile der Union Pacific als Muttergesellschaft aller übrigen Gesellschaften zu erwerben. Eine wertvolle Bereicherung, gibt es doch immer wieder Situationen, in denen einen das aktuelle Aktienangebot nicht reizt. Sei es, daß der Zug in den betreffenden Gesellschaften bereits abgefahren ist, oder auch nur, daß man vermeiden möchte, sich durch zu viele Beteiligungen zu verzetteln. Die Wertungen werden nach dem Zufallsprinzip durch Prämienkarten ausgelöst, die zu Beginn in den Aktienstapel gemischt worden sind. Da zudem die Partie mit der vierten Wertung sofort endet, muß jede Entscheidung in prickelnder Ungewißheit getroffen werden.

Ein riesiger Spielplan mit farbigen Dieselloks darauf erleichtert den Überblick. Dank einer sorgfältig bearbeiteten und reich illustrierten Spielanleitung gelingt ein schneller Einstieg ins Spiel. Schon nach der ersten Partie von rund anderthalb Stunden Dauer waren alle einig, daß der Kaufpreis von 50 DM eine gute Investition darstellt, die dauerhaft Unterhaltungsrendite bringen wird.

Autor von "Union Pacific" ist Alan R. Moon. Sein beim selben Verlag erschienenes "Elfenland" ist voriges Jahr mit dem Kritikerpreis Spiel des Jahres ausgezeichnet worden. Auch diesmal hat es zumindest wieder für eine Nominierung gereicht. Und manch einer hätte sich "Union Pacific" sogar ganz oben auf dem Siegertreppchen vorstellen können.

(Jochen Corts)

"Union Pacific" von Alan R. Moon, Amigo, für 2 bis 6 Spieler ab 12 Jahren.


Beginnt das Eisenbahnzeitalter erst? Oder hat die Bahn ihre Zukunft schon längst hinter sich? Experten streiten seit längerem über diese verkehrspolitische Grundsatzfrage. Eines scheint aber sicher zu sein: Eisenbahnbarone, wie zum Beispiel der berühmte Konrad Escher von der Linth, wird es keine mehr geben. Höchste Zeit also, dass ein Spiel auf den Markt kommt, in dem es das oberste Ziel ist, sich Zug um Zug das Renommé eines Eisenbahnkönigs zu verschaffen.
«Union Pacific» spielt, wie der Titel schon sagt, in Nordamerika. Dieser Kontinent gilt - wie in der Wirklichkeit - im Spiel immer auch als Land der unbegrenzten Möglichkeiten. So lässt die Weite der Landschaft beinahe unendlich lange Schienennetze zu, was mit eine Voraussetzung dafür ist, dass Eisenbahngesellschaften im Verlauf des Spiels lukrativer werden. Jede Verbindung zwischen zwei Städten - markiert durch eine je nach Gesellschaft mit einer anderen Farbe markierten Lokomotive - wirft eine Million ab. Wer das Netz einer Gesellschaft ausbaut, darf als Belohnung eine Aktienkarte aufnehmen. Wer auf den Ausbau verzichtet, kann stattdessen investieren, das heisst, eine bestimmte Zahl Aktienkarten auslegen. Solche Investitionen sind nötig, weil Aktienkarten, die man bei den Abrechnungen noch in der Hand hat, nichts bringen.

Wer zum Eisenbahnbaron gekrönt werden will, muss seine Investitionen so tätigen, dass er bei den gewinnträchtigsten Eisenbahnen immer die Aktienmehrheit besitzt - das Erfolgsrezept jedes tüchtigen Anlegers. Was aber, wenn alle sechs Spieler am gleichen Tisch das gleiche wollen? Dann versucht jeder, den anderen auszutricksen, indem er mit seinen Investitionen so lange zuwartet, bis er dann mit einem Schlag die Mehrheit erobert. Das sind, vor allem vor der vierten Abrechnung und damit vor Spielende, die schönsten Überraschungsmomente in «Union Pacific», die in jeder Runde zu Diskussionen und Schadenfreude Anlass geben. Denn es kann vorkommen, dass der Gewinner der 20-Millionen-Prämie für die attraktiven Union-Pacific Aktien erst kurz vor der Schlussabrechnung feststeht.

«Union Pacific» eignet sich ausgezeichnet für Gruppen, in denen Zwölfjährige mit Erwachsenen spielen. In der Regel machen Familien um Eisenbahnspiele mit wirtschaftlichem Hintergrund einen grossen Bogen. Zu schwierig? Zu technokratisch? «Union Pacific», in dem der Amerikaner Alan Moon, der letztes Jahr mit «Elfenland" den begehrten Titel «Spiel des Jahres» gewonnen hat, sein früheres Spiel «Airlines» verpackt hat, kann dazu beitragen, solche Bedenken aus dem Weg zu schaffen. Die Spielanleitung ist verständlich geschrieben, die Regeln sind einfach, die Abläufe auf dem Brett transparent: Ob man nun auf die «Miami Southern» setzt oder die «Billings Northern Light» - Konrad Escher hatte es garantiert schwerer, Eisenbahnbaron in der Schweiz zu werden. Und ob der den gleichen Spass an der Sache hatte, wagen wir zu bezweifeln.

(Synes Ernst, Weltwoche, 27. Mai 1999)


Seit einigen Jahren geisterte ein Namen durch die Szene - "Airlines II"; doch leider blieb es bei Ankündigungen und Verschiebungen. Abacus, bei dem "Airlines" erschienen war, konnte sich nie zum zweiten Spiel entschließen. Dem vorjährigen "Spiel des Jahres"-Erfolg des Duos Alan R. Moon/Amigo mit "Elfenland" ist es nun wohl zu verdanken, dass wir doch noch in den Genuss von "Airlines II" kommen. Dass es dabei nicht mehr um Fluglinien sondern um Eisenbahnen geht, tut nichts zur Sache.
Der Spielplan zeigt die Vereinigten Staaten von Amerika und 42 ihrer Städte - ich hoffe, ich habe mich nicht verzählt -, die durch ein Netz von Geleisen verbunden sind. Zwei Dinge fallen dabei auf: Es gibt vier verschiedene Typen von Geleisen und auf jeder Verbindung zwischen zwei Städten sind ein bis vier Plätze für Lokomotiven vorgesehen.

Diese Lokomotiven stammen von zehn Gesellschaften, die sich um die Erschließung des Landes verdient machen. Sie starten in einer bestimmten Stadt mit einer Lokomotive, einzig die grüne Gesellschaft, die El Paso & Rio Grande, beginnt das Spiel mit zweien.

Für jede Gesellschaft gilt es drei Dinge zu beachten. Erstens die Anzahl der Aktien, die zwischen 6 und 18 schwankt, die Anzahl der Züge, die zwischen 7 und 23 beträgt und die Art der Schienen, auf denen eine Gesellschaft fahren darf. Alles ist auf einer Übersichtskarte und auf den Aktien der Gesellschaft angeführt.

Bevor das Spiel beginnt, müssen noch einige Vorbereitungen getroffen werden. Das Aufstellen der Startlokomotiven habe ich bereits erwähnt. Das Aktienpaket wird gemischt und vier Aktien werden an jeden Spieler ausgeteilt, die er auf die Hand nimmt.

Von den restlichen Aktien werden vier offen ausgelegt und dann in den verbleibenden Stapel die vier Wertungskarten eingemischt. Dafür gibt es zwei Alternativen, die beide mehr oder weniger garantieren, dass die Wertungskarten möglichst gut verteilt sind.

Eine Gesellschaft habe ich bisher verschwiegen, die Union Pacific. Sie besitzt keine eigenen Lokomotiven, sondern ist nur durch 20 Aktien vertreten, von denen jeder Spieler eine erhält, also mit 5 Aktien auf der Hand beginnt.

Zum Schluss werden noch die Streckenkarten gemischt, an jeden Spieler 3 ausgeteilt und der restliche Stapel neben dem Plan abgelegt. Nun kann es losgehen.

Als erstes legt jeder Spieler eine seine 5 Aktien offen vor sich ab. Dies ist die erste Aktie, die er tatsächlich besitzt, denn Aktien auf der Hand stellen so etwas wie eine Option dar, die man durch Ablegen einlösen kann. Wer nun am Zug ist, nimmt zunächst einmal eine Streckenkarte vom verdeckten Stapel. Sie zeigt in der Regel einen bestimmten Streckentyp. Dabei hängt die Anzahl der Karten jedes Typs von der Größe des entsprechenden Streckennetzes ab. 4 Karten zeigen alle Typen, sind also quasi Joker.

Nun hat man zwei Möglichkeiten. Wer bauen will, spielt eine Streckenkarte aus und darf dann eine Lokomotive einer Bahn setzen, die auf dieser Strecke fahren darf. Dabei ist folgendes zu beachten. Wie schon erwähnt, gibt es auf einer Strecke zwischen zwei Städten bis zu vier Felder für Lokomotiven. So startet z.B. die rote Gesellschaft mit einer Lokomotive zwischen Billings und Caspar.

Das bedeutet nun, dass sie von beiden Städten aus weiterbauen darf, wenn das Gleis den richtigen Typ besitzt. Also: Jede Gesellschaft muss nur ein Feld zwischen zwei Städten besetzen, um beide Städte erreicht zu haben. Ist der Bau durchgeführt, darf sich der Spieler nun eine Aktie nehmen, wobei er entweder eine der vier offen oder die oberste verdeckte nimmt, aber keine Union Pacific. An die kommt man nämlich nur, indem man jetzt eine Aktie aus der Hand verdeckt weglegt, sie ist aus dem Spiel und dafür eben eine Union Pacific auf die Hand nimmt. Sind alle 20 Aktien weg, kann dies natürlich nicht mehr durchgeführt werden.

Wer nicht Bauen und Aktien aufnehmen will, legt statt dessen Aktien aus der Hand vor sich aus und zwar entweder beliebig viele Aktien einer Farbe oder zwei Aktien verschiedener Farben. Mit dem Ablegen einer Streckenkarte endet in diesem Fall der Zug.

Wozu aber legt man die Aktien vor sich ab? Mit dieser Frage sind wir nun beim Kernpunkt des Spiels, den Wertungen. Wann immer beim Ziehen einer Aktie eine Wertungskarte auftaucht, kommt es zu einer Wertung.

Dabei wird für jede Gesellschaft festgestellt, wer die meisten und wer die zweitmeisten Aktien vor sich am Tisch liegen hat. Diese beiden Spieler bekommen nun Dividenden ausbezahlt und zwar der Hauptaktionär den vollen Wert der Gesellschaft und der Zweitaktionär die abgerundete Hälfte.

Der Wert der Gesellschaft ist dabei die Anzahl der gebauten Lokomotiven plus Eins für den Startbahnhof. Hat, was vor allem zu Beginn immer wieder vorkommt, nur ein Spieler Aktien einer bestimmten Gesellschaft vor sich liegen, dann bekommt er die Prämie für den ersten und den zweiten Platz ausbezahlt. Und wenn es mehrere Hauptaktionäre gibt, so müssen sie sich die Prämien teilen, wobei natürlich etwaige Zweitaktionäre leer ausgehen. Entsprechend wird bei mehreren Zweitaktionären verfahren.

Aufmerksame Leser werden sich nun fragen, wie der Wert der Union Pacific berechnet wird, denn sie besitzt ja keine Lokomotiven. Ganz einfach: Bei der ersten Wertung gibt's gar nichts und ab der zweiten Wertung bekommen die 5 größten Aktionäre Prämien ausbezahlt und das ganz kräftig.

Das Spiel endet, sobald die vierte Wertungskarte aufgetaucht ist und wer dann über das meiste Geld verfügt, hat gewonnen.

"Union Pacific" lebt von der Qual, zwischen den beiden Möglichkeiten wählen zu müssen. Das Ausbauen erhöht zum einen den Wert einer Gesellschaft und erhöht auch die Aktien, die man auf der Hand hält, aber wie schon oben erwähnt, zählen bei einer Wertung nicht die Aktien auf der Hand, sondern nur die, die man vor sich abgelegt hat. Dies ist die zweite Option, die man besitzt und obwohl man nur durch sie letztendlich an Geld kommt, wählt man sie nur höchst ungern, vor allem dann, wenn gerade eine Aktie offen ausliegt, die man so dringend bräuchte, um in dieser Gesellschaft die Mehrheit zu sichern.

Ob man sie dann allerdings vor der nächsten Wertung noch ablegen kann, steht in den Sternen, denn zum einen weiß ja niemand ganz genau, wann eine Wertungskarte kommt, und jedes Aufnehmen einer Aktie bringt die nächste Wertung näher.

Besonders schlimm ist es, wenn vier gleiche Aktien offen ausliegen, denn diese werden aus dem Spiel genommen und durch vier neue Aktien ersetzt. Dass so die nächste Wertung sogar um vier Züge früher kommt, ist natürlich klar. Neben dem Spielspaß bietet "Union Pacific" auch ein gediegenes Material, eine hervorragend gestaltete Regel, deren Lesen ein Genuss ist und eine ansprechende Grafik, die so zurückhaltend ist, dass der Spielplan in der letzten Phase des Spiels nicht unübersichtlich wird. Einzig die Tatsache, dass die Übersichtskarten doppelseitig bedruckt sind und immer wieder gewendet werden müssen, kann kritisiert werden.

Die Spielerzahl ist mit 2 - 6 Spielern angegeben und jeder weiß natürlich, dass das so nicht ganz stimmen kann. Zunächst: Je mehr Spieler teilnehmen, desto weniger kalkulierbar wird das Ganze und man muss das Auslegen von Aktien schon verdammt genau timen. Ich denke, dass nach oben hin vier Spieler am idealsten sind.

Dass "Union Pacific" aber auch mit zwei Spielern durchaus Spaß macht, was man ja nach den bisherigen Erklärungen nicht unbedingt vermuten würde, wird durch einen kleinen Kunstgriff erreicht.

Das Spiel endet bereits nach der dritten Wertung und die Aktien des Stapels plus die vier offenen Aktien werden einem virtuellen dritten Spieler zugeordnet, der mit diesem Aktienpaket an der dritten Wertung teilnimmt und durchaus auch noch gewinnen kann, wenn die diese relativ früh erfolgte.

"Union Pacific" zählt mit Sicherheit zu den Highlights in diesem Spielejahr und man darf schon auf die nächste Koproduktion des Duos Moon/Amigo gespannt sein.

P.S.: Für alle Kenner von "Airlines" seien hier noch die wichtigsten Änderungen aufgeführt. Das Gründen einer Gesellschaft entfällt, da alle bereits zu Spielbeginn am Plan vertreten sind. Dass der Spielplan natürlich über ein ganz anderes Streckennetz verfügt, versteht sich wohl von selbst und auch die Anzahl und Charakteristik der Gesellschaften ist anders.

Während es bei "Airlines" noch drei Möglichkeiten gegeben hat, zwischen denen man wählen konnte, hat man nun auf die Sabotageregel verzichtet, die auch bei "Airlines" kaum zur Anwendung kam.

Neu hingegen ist die Union Pacific, die eine sehr interessante Alternative darstellt. Ideal wäre es natürlich, Aktien dafür herzugeben, die man nicht braucht, doch weiß man zu Beginn leider noch nicht, welche Gesellschaften sich als uninteressant erweisen werden. Und wenn man es dann schließlich weiß, ist es zu spät, weil alle Aktien der Union Pacific bereits weg sind. Also heißt es da ein wenig zu hasadieren.

Ich denke, das waren so die wichtigsten Änderungen und sie genügen sicherlich, um das Spiel auch für "Airlines"-Kenner interessant zu machen.

(Helmut Wresnik, Spielerei)