Vino

Ein guter Wein braucht seine Zeit, um in Ruhe zu reifen. Auch Spielen tut es oft gut, ihnen Zeit zur Reife zu lassen. VINO (Goldsieber) ist dafür ein schönes Beispiel.

Der Autor des Spiels, Christwart Conrad, hatte damit im Jahre 1994 einen Autorenwettbewerb mit über 100 Einsendungen für sich entscheiden können. Die mit Redakteuren verschiedener Spieleverlage besetzte Jury war sich nach eingehender Probe einig, einen Tropfen edelster Qualität verkostet zu haben.

Kein Zweifel bestand indessen auch, daß "Das Spiel der Weinberge", wie es damals noch hieß, für den allgemeinen Markt viel zu komplex und zeitaufwendig war. Wiederholte Überarbeitung hat es jetzt so weit entschlackt, daß es auch für Gelegenheitsspieler genießbar geworden ist, obgleich noch immer eine Probepartie nötig ist, um so richtig auf den Geschmack zu kommen. Dann allerdings steht einem nachhaltigen Genuß nichts mehr im Wege.

Die 3-5 Winzer entscheiden in jeder Runde geheim, in welchem italienischen Weinbaugebiet sie neue Weinberge erwerben wollen. Dabei ist darauf zu achten, welche Rebsorten dort anzutreffen sind, um am Markt Schwerpunkte setzen zu können. 3 der 5 Sorten sollte man schon im Keller haben, um auf Preisschwankungen gelassen reagieren zu können.

Wichtig ist es auch, an staatliche Subventionen in Form kostenlos übertragener Weinberge zu kommen. Dies verlangt, sich mittels geschickter Einkaufspolitik in dem jeweiligen Gebiet mit dem zweitgrößten oder bisweilen sogar nur drittgrößten Weingut zu bescheiden. Ein weiteres klug installiertes Regulativ allzu hemmungslosen Gewinnstrebens besteht darin, daß jeder Verkauf von Wein zum Verlust von Weinbergen führt. Verbunden noch mit dem Risiko, daß diese in der nächsten Runde von einem Konkurrenten aufgekauft werden. Geld ist bei all dem nur Mittel zum Zweck. Weinkönig wird, wer nach Vergabe des letzten staatlichen Weinbergs in allen Gebieten zusammen das insgesamt größte Gut besitzt. Und das entscheidet sich zumeist erst in der letzten Runde.

Bleibt als Resümee: VINO hat viel Körper, ist zwar nicht sonderlich spritzig, dafür aber sehr fruchtig und weist bei einem Preis von circa 60 DM keine nennenswerte Restsäure auf.

(Jochen Corts)

"Vino" von Christwart Conrad, Goldsieber, für 3 bis 5 Spieler.